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The second look: poetry of the inconspicuous

Diese fotografischen Arbeiten sind in der unmittelbaren Natur des Wohnumfelds des Fotografen verankert. Die Umgebung wird zum Atelier, zur Inspirationsquelle und zum Rückzugsort. Im Fokus stehen kleine, oft übersehene Schönheiten – Details, die sich im Wechsel der Jahreszeiten, im Lichtspiel des Wetters und unter dem Einfluss des Menschen stetig verändern. Ein einzelnes Blatt auf feuchtem Moos, Licht, das durch Nebel fällt, oder die feinen Strukturen einer Spinnwebe im Morgentau werden als stille, unspektakuläre Motive verstanden, die in ihrer Zurückhaltung eine eigene Poesie entfalten.

 

Der Fotograf verfügt über jahrzehntelange Erfahrung und hat im Verlauf seiner Laufbahn eine breite Palette fotografischer Genres auf professionellem Niveau bedient: journalistische Reportagefotografie, Portraitfotografie, Dokumentation von Kunstwerken sowie Landschaftsfotografien für Magazine. Diese Vielseitigkeit gründet auf einer fundierten autodidaktischen Entwicklung. Früh prägten intensives Selbststudium und die Arbeit in der Dunkelkammer die handwerkliche Basis. Mit der Zeit erweiterte sich das Spektrum von klassischer analoger Fotografie über Grossformat bis hin zum Einsatz moderner digitaler Techniken. So entstand die Grundlage, unterschiedlichste fotografische Felder souverän auszuüben.

Über die Zurückhaltung des künstlerischen Auftretens

Die Veröffentlichung der Arbeiten erfolgt bewusst nicht unter dem eigenen Namen, sondern unter dem Pseudonym „subjective.photography“. Dieser Ansatz richtet den Fokus konsequent auf das Werk und dessen Wirkung – nicht auf die Person dahinter. Dies ermöglicht den Betrachtenden, sich unvoreingenommen auf die Bildsprache einzulassen und eigene Assoziationen zu entwickeln. Ziel ist es, die Wahrnehmung auf die leisen Zwischentöne der Natur und die subtile Poesie des Alltäglichen zu lenken. Die Entscheidung für ein neutrales Künstlerprofil versteht sich als Aufforderung zur subjektiven Interpretation und als Ausdruck einer universellen Bildsprache, die über den individuellen Urheber hinausweist.

Die Bildsprache des Fotografen vereint klassische fotografische Einflüsse mit zeitlosen philosophischen Ansätzen. Die Inspiration durch Fotografen wie Eduard Steichen, Alfred Stieglitz, Edward Weston und Ansel Adams prägt den Umgang mit Licht, Komposition und Ausdruck. Wesentlich ist auch der deutsche Subjektivismus, wie ihn Otto Steinert mit der „Subjektiven Fotografie“ formulierte: Die individuelle Wahrnehmung und das persönliche Empfinden stehen im Vordergrund, das Sichtbare wird durch eigene Interpretation neu erfahrbar gemacht. Diese experimentelle, expressive Herangehensweise und die bewusste Abkehr von der rein dokumentarischen Fotografie prägen den Stil des Fotografen bis heute.

 

Ein zentrales gestalterisches Fundament bildet der Rückgriff auf den Piktorialismus. Diese Richtung der frühen Fotografie, die sich an malerischen Ausdrucksformen orientiert, beeinflusst insbesondere die bewusste Arbeit mit Licht, Unschärfe und atmosphärischer Dichte. Piktorialistische Techniken werden gezielt eingesetzt, um Stimmungen zu erzeugen, Übergänge weich zu gestalten und die Grenze zwischen Fotografie und Malerei bewusst zu verwischen.

Im Zentrum des Werks steht die Vielfalt natürlicher Formen. Strukturen und Muster spiegeln verborgene Ordnungen und Gesetzmässigkeiten der Natur wider und laden dazu ein, im Unscheinbaren das Besondere zu entdecken. Durch gezielte Wahl von Perspektive, Licht und Unschärfe wird versucht, diese formale Schönheit sichtbar zu machen oder zu abstrahieren.

 

Charakteristisch für den Stil ist der Einsatz abgedämpfter Farben, die eine ruhige, fast meditative Atmosphäre schaffen. Besonders Grün und Braun nehmen eine zentrale Rolle ein: Grün steht für Leben, Wachstum und Harmonie, Braun für Erde, Vergänglichkeit und Geborgenheit. Diese Farbtöne betonen Vielschichtigkeit, Natürlichkeit und Tiefe der Landschaft, verbinden die Motive und verleihen den Bildern eine stille Kraft, die an klassische Landschaftsmalerei erinnert und zugleich eine Brücke zur modernen, reduzierten Bildsprache schlägt.

 

Die bewusste Arbeit mit Unschärfe dient als gestalterisches Mittel, um Stimmungen, Übergänge und das Atmosphärische hervorzuheben. Unschärfe eröffnet Raum für Interpretation, lädt dazu ein, sich einzulassen und das Bild mit eigenen Erinnerungen und Empfindungen zu füllen. Das Unscharfe ist keine Schwäche, sondern eine Einladung zum zweiten Blick und zur individuellen Deutung.

Respekt vor der Natur und ein nachhaltiger Umgang mit ihr sind grundlegende Prinzipien des Fotografen. Jede Begegnung mit der Landschaft ist von Aufmerksamkeit geprägt, mit dem Ziel, die Natur zu bewahren und Ressourcen schonend einzusetzen. Dieses Verständnis spiegelt sich in der Wertschätzung für das Vergängliche und Unscheinbare wider.

 

Die Fotografien erschliessen sich nicht auf den ersten Blick, sondern entfalten ihre Wirkung in der vertieften Betrachtung. Sie laden dazu ein, innezuhalten, hinter die Oberfläche zu schauen und in der Tiefe die subtile Schönheit des Unscheinbaren zu entdecken. Das Flüchtige und Unvollkommene verwandelt sich in stille Poesie – eine Aufforderung, sich auf die eigene Wahrnehmung und die leisen Zwischentöne der Natur einzulassen.

 

Die Arbeiten werden sowohl als hochwertige Prints als auch im Rahmen von Ausstellungen und online präsentiert. Sie verstehen sich als Einladung zum Dialog – mit der Natur, mit der Kunst und mit den Betrachtenden selbst.

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© 2025 subjective.photography, Marcel Telser

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